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Prosa 1

Er ruft nach mir, doch fürchte ich mich nicht. Ich stehe am Ufer des Flusses, welcher still und spiegelglatt liegt. Kein Strom lebt in ihm und in den dunklenWassern spiegeln sich gebrochen die Wolken des Abendhimmels. Am anderenUfer wacht finsterer Wald. Kein Vogel singt, keine Grille und auch nicht niederesGetier lassen ihr Lied erklingen. Die Stille wirft ihr Gewand aufs Land. In meinemRücken steht ein Haus, dessen Leben es verlassen hat. Das Fachwerk morsch undfaulig und das Weiß auf den Mauern blättert. Kein Luftstrom ist zu spüren unddoch schlägt die Türe wiederholt wie im Hauch des Windes. Das Reet ist von ödemMoos beladen, die Fenster geborsten. Häuser erzählen Geschichten, doch dieseswahrhaft nicht. Es mahnt zum Fernbleiben. Auf meiner Uferseite wachen trocken,knorrig alte Birken. Kein Laubwerk tragend, flüstern sie mir zu. Ihr Wispern nichtzu verstehen, weiß ich doch, dass sie mir befehlen, an Umkehr nicht zu denken.Es ist kalt, bitterkalt. Die Luft ist feucht und stumm beladen. Lediglich, wiescheinbar aus der Ferne, vernehme ich tiefen Gesang, der jedoch nicht zu orten ist.Er kommt von überall. Leise, ganz leise, aber ringsum. Kurze Stege ragen diesseitsund jenseits des Flusses, gesäumt von starr stehendem Schilf, in den Fluss, dessenVerlauf nicht zu erahnen ist. Die Bohlen mürb und modrig, und dennoch, sie tragen.Das haben sie immer getan. Diese Landschaft, diese Szenerie ist ein düsteres Bild.Das Bild eines sterbenden Tages, welcher doch scheinbar nie gelebt hat. In diesemBild bin ich gefangen. In ihm werde ich untergehen. Die Zeit wird eine neue Schichtauftragen und nichts an mich erinnern. Als ob es mich fesseln wollte, umgarntvergangenes Wurzelwerk meinen Stand. Wacholder ragen schwarz empor und stehen als stumme Zeugen in verdörrter Heide.Das Grau frisst jedes Licht. Für einen Moment senke ich die Lider und besinne mich. Wie kam ich nur an diesen Ort? Es spielt dochkeine Rolle. Einst lebte ich in lichtgetränktem Tage, abseits von Last und Leid. Wahrlich gab es Niedertracht und Missgunst auch,doch wich ich nicht vom Guten ab. Nie dachte ich daran mich zu verpfänden, an den, der mich nun auserkoren hat. Niemals wollte ichzaudern, gar noch wanken und bin jetzt wohl doch verloren. Ich kann ihn nun spüren und öffne wagend meine Augen. Vor mir amSteg wartet er in einem Boote auf mich, das schon viele Male den Fluss gequert hat. Er spricht kein Wort, doch lädt mich ein, welchesniemand jemals ausgeschlagen hat. Schwarz, lang und wallend ist sein Mantel, der Kragen hoch gestellt. Weißes Haar krönt seineErscheinung, doch ein Gesicht, hat er keines! In ein Nichts blicke ich! Nur seine alles durchdringen Augen stechen aus seinem leichtgesenkten Haupte hervor. Er sinnt nach meinem Fall, in seine Jüngerschaft der Wurzellosen. Schritt für Schritt nähere ich mich demSteg, gehe über sein Holz, wie so viele vor mir. Ganz ruhig liegt das Boot und gibt nicht nach, als meine Last es wohl beschwert. DerFluss ließ alles Leben. Der, der mich in seinen Griff befohlen hat, wendet sich ab und ich wage es nicht meinen Blick auf ihn zu richten.Von Kälte und Frost ist er umgeben. In sein Antlitz blicke ich nicht und doch sehe ich diese Augen, welche alles nehmen! Wie leblosstehen wir. Keine Hand legt an, und doch, das Boot legt ab. Diese letzte Reise ist mir zu eigen. Der Fluss, der keine Strömung trägt,wiegt mich hinüber in die Dunkelheit. Wir legen an. Jedes Gefühl, jede Empfindung ist der Leere nun gewichen. Mit jedem Schritt legtsich das Licht und stirbt. Das Bild verzerrt. Der Gesang verstummt. Nun drehe ich mich um. Das Boot ist leer und das andere Uferverschwunden. Keine Wiederkehr, nur Finsternis und Leere. Über dem Nichts wachen seine toten Augen. Weiter schreite ich undGlocken hallen nun final. Der Funke gebärt das Feuer, dessen lodernde Fratze mich auserkoren hat, zu gewanden in sein Kleid.Ich gehe ein ins Bild, das nie jemand gesehen hat. 2009

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